Die Schulvorbereitende Einrichtung (SVE)
Die Schulvorbereitende Einrichtung (gemäß Artikel 22, Erziehungs- und Unterricht sgesetz) hat die diagnosegeleitete Förderung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Vorschulalter, bzw. bei zurückgestellten Kindern zur Aufgabe. Zur Aufnahme kommen Vorschulkinder ab 4 Jahre bis zur ihrer Einschulung. Im Mittelpunkt der Förderung steht die Aufarbeitung von Entwicklungsdefiziten, schwerpunktmäßig in den Bereichen Sprache, Kognition, Wahrnehmung, Konzentration, Motorik sowie das Einüben sozial angemessener Verhaltensweisen.
Zwischen der SVE und der Unterstufe der Förderschule besteht eine enge Kooperation, was den SVE-Kindern den Start in der 1. Kl. erheblich erleichtert.
Unter konzeptionellem Blickwinkel kann man die SVE als Teil der Eingangsstufe auffassen, obwohl natürlich nicht alle Kinder aus der SVE anschließend in die 1. Kl. der Schule zur individuellen Lernförderung gehen.
Unterstufe
Die Unterstufe der Schule zur individuellen Lernförderung umfasst die Jahrgangsst ufen 1-4. Hier werden hauptsächlich Schülerinnen und Schüler gefördert, die z.T. erhebliche Defizite im Lernen und im Sozialverhalten aufweisen. Unter ihnen befindet sich auch eine Reihe von Kindern, die den Anforderungen einer Diagnose- und Förderklasse nicht gerecht werden können.
Die Schule braucht hierzu eine starke Eingangsstufe, d.h. z.B. möglichst keine kombinierte 1./ 2.Kl., um den unterschiedlichen Bedürfnissen von Erst- und Zweitklässlern entsprechend Rechnung tragen zu können. Die Vorteile, dass Erstklässler von Zweitklässlern in einer kombinierten Klasse lernen können, werden in der Praxis durch die Nachteile, die aus dem unterschiedlichen Lerntempo der Schüler erwachsen, aufgehoben.
Ist die Schule zu groß, verliert sie ihren Vorteil gegenüber großen Förderzentren, eine überschaubare und sehr persönliche Schule zu sein als Unterstützung für eine individuelle Lernförderung.
Mittelstufe
Die Mittelstufe umfasst die Jahrgangsstufen 5 und 6. Sie ist mehr als eine „Zwischenstufe“ zwischen Unter- und Oberstufe. In diese Stufe kommen verstärkt Schülerinnen und Schüler, die an der Regelschule nicht mehr angemessen gefördert werden können. Dies gilt nicht nur für Regelschulen in der Region. In diese Jahrgangsstufe werden auch, im Gegensatz zur Unterstufe deutlich häufiger, Kinder aus der stationären und teilstationären Jugendhilfe aufgenommen. Damit tauchen in der Mittelstufe auch verstärkt Themen aus dem Bereich der Jugendhilfe auf:
Erhebliche psychische Störungen und Behinderungen, erheblich belastete Familienstrukturen, delinquente Entwicklungen.
Hier geht es oft um die Verarbeitung von Erlebnissen des Scheiterns und um den Wiederaufbau einer schulischen Motivation mit einer entsprechenden Lern- und Leistungsbereitschaft.
Von ihrem Lebensalter her befinden sich die Kinder der Mittelstufe an der Schwelle zur Pubertät. Damit verbunden ist u.a. eine Neuauflage vorhandener Problemlagen, die im Zusammenhang mit körperlichen und psychischen Veränderungen im Kind verstärkt verhaltenswirksam werden und damit auch eine Herausforderung im Sinne einer Beschulbarkeit im Klassenverband darstellen.
Beispielhaft für die z.T. erheblichen psychischen Beeinträchtigungen von Schülern seien die Themen Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom (ADS), Hyperkinetisches Syndrom (HKS) oder Formen von kindlichem Autismus angeführt. Diese Kinder kommen gehäuft in Kontakt mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Um die pädagogische Arbeit zu unterstützen und den betroffenen Kindern einen etwas konfliktfreieren Umgang mit ihrem sozialen Umfeld zu ermöglichen kommen, neben heilpädagogischen und psychotherapeutischen Hilfen, fallbezogen auch Psychopharmaka zum Einsatz (z.B. Methylphenidat-Präparate wie z.B.„Ritalin“), Amphetamine oder Neuroleptika (Dipiperon).
Die in der Mittelstufe unterrichtenden Lehrkräfte stehen brauchen eine enge Kooperation mit Eltern, Mitarbeitern der Wohngruppen und Fachkräften. Zum Verständnis einzelner Schuler und ihrer unterrichtlichen Probleme sind entwicklungspsychologische sowie kinder- und jugendpsychiatrische Kenntnisse ebenso unverzichtbar, wie ein Wissen um die Leebsnbiografie und die bisherige schulische Entwicklung eines jungen Menschen. Diese Kenntnisse sind, vor allem hinsichtlich der Psychopharmaka, ständig zu aktualisieren. Die Schule zur individuellen Lernförderungen greift dazu auf Ressourcen im Fachdienst des HPZ und auf die in der Einrichtung konsiliarisch tätige Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie zurück.
In der Mittelstufe können verhaltensbedingte Grenzen der Beschulbarkeit schneller erreicht sein als in anderen Jahrgangsstufen, weswegen Möglichkeiten unterrichtlicher Differenzierung bis hin zum Einsatz eines sog. „Schulbegleiters“ an der Schule bereit gestellt werden müssen. Kinder die wegen einer reduzierten Belastbarkeit nicht den ganzen Schulvormittag durchhalten, können durch den Hintergrunddienst der Schule bzw. im Verbund mit dem HPZ phasenweise außerhalb des Klassenverbandes betreut werden.
Oberstufe
Die Oberstufe (Jahrgangsstufen 7 – 9) hat nicht zuletzt durch die kurrikularen Veränderungen im Zusammenhang mit der Einführung des BLO-Unterrichts eine klare Ausrichtung im Sinne einer beruflichen Orientierung und Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler erhalten. Die Schule zur individuellen Lernförderung hat als Teil einer großen Einrichtung zur beruflichen Rehabiltation lernbehinderter junger Menschen traditionsgemäß eine starke Ausrichtung in diesem Bereich, erhielt durch das neue Unterrichtsfach jedoch wichtige Impulse: Zum Einen gibt es nun die Möglichkeit, von der 7. Bis zur 9. Kl. diese Thematik über verschiedene Jahrgangsstufen zu verfolgen und zum Anderen wird über die Erweiterung von Praktika eine bessere Verbindung zwischen unterrichtlichen Inhalten und der Realität in Betrieben erreicht.
Die Schule zur individuellen Lernförderung verfügt schon seit Jahren über ein sehr bewährtes System von Betriebspraktika, auf dem im Sinne des BLO-Unterrichts aufgebaut werden kann.
Berufs- und Lebensweltorientierung (BLO)
Im Schuljahr 2003/ 04 wurde in der Jahrgangsstufe 7 (Förderstufe IV) das neue Un terrichtsfach Berufs- und Lebensweltorientierung (BLO) als Sonderpädagogische Diagnose- und werkstattklassen (SDW) eingeführt; aktuell (Schuljahr 04/ 05) liegt auch der Lehrplan für die Klassen 8 und 9 vor.
Bereits die Bezeichnung weist auf eine deutlich stärkere Gewichtung des Praxisapektes hin. Aus gutem Grund: Da große Umstrukturierungen in der beruflichen Wirklichkeit bedacht und notwendige Konsequenzen daraus gezogen werden müssen, sollen für die betreffenden Schüler entsprechende Voraussetzungen gestaltet werden, damit die Integration in eine „individuell passgenaue Arbeitswelt“ gelingt. BLO ist demnach eine qualitative Ausweitung des berufswahlvorbereitenden Bildungsangebotes von Schule in Berufs- und Arbeitswelt.
Im neuen Lernbereich werden die bisherigen Unterrichtsfächer Arbeitslehre, berufswahlvorbereitender Förderunterricht, Hauswirtschaft/ Textilarbeit, Techn. Werken, Techn. Zeichnen, und Informations- und Kommunikationstechnik in projektorientierten Unterrichtsverfahren im Rahmen von Praktika verwirklicht. Dadurch wird eine erhöhte diagnostische Validität sowie eine begründete Beweisführung bezüglich des Bedarfs an Rehabilitationsleistungen für den einzelnen Jugendlichen der FÖS erreicht .
Benötigt werden dazu Kooperationsformen mit außerschulischen Partnern aus der Arbeitsverwaltung, sowie Handwerks-, Dienstleistungs- und Industriebetrieben.
BLO-Theorie umfasst vier Bereiche:
Grundlegende Erfahrungen mit der Berufs- und Arbeitswelt.
Individuelle Erfahrungen mit der Berufs- und Arbeitswelt.
Mensch – Arbeit – Betrieb
Lebensplanung und –gestaltung
Schulisch gestaletet sich der BLO-Unterricht in drei Phasen:
Vorbereitungsphase (7. Klasse): erste Einblicke in die Vielfalt der Berufe und beruflichen Anforderungen; Berufserkundungen mit Informationen über unterschiedliche Berufsfelder.
Orientierungsphase (8. Klasse): Berufswahlbezogene Tätigkeiten für berufsspezifische Fähigkeiten, Fertigkeiten und Verhaltensweisen.
Praktika: Einblick in die Arbeitswelt (Möglichkeiten und Grenzen, Neigungen und Eignungen).
Individualisierungsphase (9. Klasse): Erkenntnisse und Erfahrungen vertiefen, Sicherheit über die eigenen Berufswahlmöglichkeiten durch geeignete Hilfestellungen (Lehrer, Meister), eigenverantwortliche und konkrete Berufswahl.